Silberlinie





Tagebuchaufzeichnungen Teil 5

Über das Internet werden mehrere Programme gekauft, Bildbearbeitung, Illustration, Layout. Der Download dauert lange, die Dateien sind groß. Es ist ein Abonnement, monatliche Kosten, auf ein Jahr gerechnet. Währenddessen laufen Videos zu geopolitischen Spannungen, Free Jazz, zu Zukunftsfragen, zu Macht und Innovation.

Zwei Comicbilder mit HP-Motiv werden auf einen Speicher kopiert, um sie später ausdrucken zu lassen. Der Gedanke verfestigt sich, dass der Roman Gedanken aus diesen Videos aufnehmen wird, psychologisch, soziologisch, kosmologisch, historisch, orientiert an literarischen Vorbildern und zugleich an zeitgenössischen Erzählformen. In der Werkstatt wird ein neuer Kosmetikspiegel bearbeitet. Zwei überlappende Löcher werden gebohrt, eines größer, eines kleiner, so dass der Spiegel sicher an einem Schraubenkopf hängen kann. Er wird eingespannt, ein Bohrer gewechselt, Material abgetragen.

Der Spiegel erfüllt nun seinen Zweck. Am Schreibtisch hilft er dabei, eine Kette mit einem Anhänger umzulegen. Die kleine Öse widersetzt sich den Fingern. Nach längerer Anstrengung gelingt es. Im Halbschlaf dringen Geräusche von draußen herein. Ein Müllfahrzeug, schwere Tonnen, der Mechanismus, das Hochziehen, das Entleeren. Zu spät. Der volle Beutel bleibt bis zum nächsten Termin in der Scheune. Der Gedanke, aus diesem Tagebuch einen Roman zu machen, kehrt zurück. Später wird aufgestanden, ein einfaches Frühstück zubereitet. Kleidung für Wind und Wetter wird angezogen. Das Fahrrad steht aufgeladen im Wintergarten. Brotreste werden zerkleinert und für Vögel ausgelegt. Ein vertrautes Geräusch hilft dabei, ihre Aufmerksamkeit zu wecken.

Die Standardtour beginnt. Zuerst ein Markt, dort Kaffee und belegtes Brot, weiteres Gebäck zum Mitnehmen. Ein Teil wird sofort gegessen, der Rest wandert in die Tasche. Danach ein Geschäft für Drogerieartikel, ein neuer Spiegel. Ein weiterer Markt, dort Marmelade, Sorten, die sonst schwer zu bekommen sind. Herkunftsetiketten fallen auf. Schließlich noch Lebensmittel. Zurück zu Hause ist es kalt draußen, warm drinnen. Beheizt werden nur wenige Räume. Geduscht wird heiß. Pflanzen werden gegossen. Der Anhänger soll fotografiert werden. Am Abend füllt sich der große Schreibtisch mit Bildschirmen und offenen Fenstern. Ein defektes Gerät fehlt noch. Überlegungen zu Ersatz, zu Größe, Preis, Einsatz als Monitor. Wörter werden aus Metallbuchstaben gelegt. Der Anhänger wird fotografiert.

Eine neue stärkere Kette wird bestellt. Videos laufen weiter, politische Einschätzungen, Jazz, Bilder aus dem All, Filme. Die Frage nach dem eigenen Körpergewicht taucht auf. Eine Einschätzung beruhigt. Bezüge eines Stuhls werden abgenommen, gewaschen, aufgehängt. Eine Liste möglicher großer Bildschirme entsteht. Vergleiche, Preise, Eigenschaften.

Der Entschluss reift, ein Fachgeschäft aufzusuchen. Ein weiteres Gerät wird bestellt. Fotos werden vom Telefon auf den Rechner übertragen und neu benannt. Wieder Videos, wieder Diskussionen über Verteidigung, Macht, Bedrohung.

Die Möglichkeit, mit einer KI kurze Bewegungssequenzen aus Fotos zu erzeugen, wird ausprobiert. Der Tag beginnt spät. Musik läuft. Tee wird zubereitet, mehrere Sorten, in einer doppelten Kanne. Aus vorhandenen Metallzeichen wird versucht, einen Schriftzug zu bilden. Es fehlen Buchstaben. Eine Lösung wird gesucht. Kleidung ist schwarz gehalten. Im E-Mail-Postfach wird aufgeräumt. Ein Paket kommt an, wird bei einer Nachbarin abgegeben. Die beigelegten Papiere wirken seltsam. Eine Adresse existiert nicht. Videos wechseln rasch.

Ein Gespräch wird abgebrochen, anderes gestartet. Politische Spannungen, technische Versprechen, Musik. Filmklassiker tauchen auf. Eine weitere Radtour führt nach Rösrath. Ein Klebstoff ist zu teuer. Ein Vorrat reicht noch. Ein Besuch bei einem Betrieb bleibt erfolglos. Einkäufe werden erledigt. In einer Sitzecke entsteht ein längeres Gespräch mit einer Frau mit Rollator. Sie erzählt von Krankheit, von einer Operation, von einer zu frühen Entlassung aus einer Maßnahme, von ihrer Haushaltshilfe. Auf die Frage nach eigenen Möglichkeiten weiß sie keinen Rat. Ihr Mann kommt, übersieht sie zunächst, wird gerufen. Sie gehen gemeinsam. HP bleibt noch sitzen, trinkt aus, fährt zurück. Das Haus empfängt ihn.

Der Abend gehört wieder Gesprächen mit einer KI und Videos. Die nächste Standardtour führt nach Lohmar. Bargeld wird geholt. Brot gekauft. Kaffee getrunken. Falafel gegessen. Fotos gedruckt. Baustellen fotografiert. Die Rückfahrt ist kalt. Fingerhandschuhe werden vermisst. Recherchen zu einer Bildungsinstitution folgen. Die Gebühren sind hoch. Werbung zu blockieren wird als Beschäftigung betrachtet. Beobachtungen über Alltagskleidung anderer Menschen bleiben hängen.

Politische Nachrichten tauchen auf. Schnee draußen. Ein weiterer Einkaufstag. Ein leerstehendes historisches Gebäude wird betreten. Türen, Treppen, Möbel, eine gefundene Figur. Andere Bereiche sind verschlossen. Wege ändern sich. Eine Brücke ist gesperrt. Kaffee und Gebäck werden draußen gegessen, trotz Kälte. Rückkehr nach Hause.

Eine kleine technische Spielerei mit Zufallszahlen. Ein Paket kommt an. Es ist nicht das Erwartete. Überlegungen zu Arbeit, Eignung, Sicherheitsprüfungen. Ein langer Kommentar wird geschrieben. Ein Anhänger bestellt. Ein Film ausgeliehen. Eine Selbstbeschreibung einer KI bleibt hängen. Gedanken über Bargeld, über Ausdrucke, über weitere Aufgaben.

Dann der Abbruch. Zu aufwendig. Recherchen in Kartenprogrammen, Videos in der Nacht, Musik. Bestellungen. Die Entscheidung, ab jetzt auch digitale Spuren zu protokollieren.